Beschlag vs. Barhufpferd

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Beschlag vs. Barhufpferd

the never ending story - oder: es geht auch anders


Es gibt wohl nur wenige Themen welche die Pferdewelt so polarisieren wie die Frage nach dem Beschlag. Diese Frage ist leider eine sehr emotional diskutierte und damit in aller Regel weitab von Sachlichkeit und Argumenten. Das ist sehr schade - vor allem für die Tiere - denn jede emotional geführte Auseinandersetzung verhindert zwangsweise gute Lösungen und wird irgendwann zum "Glaubenskrieg". Damit ist allerdings niemanden gedient - am wenigsten den Pferden. Meine Ansicht als Autor dieser Website ist natürlich ganz klar pro Barhuf. Dennoch möchte ich versuchen, nicht die schon zig-fach ausgetauschten Argumente und Beweise erneut zu wiederholen sondern aus der Sicht meiner ganz persönlichen Erfahrungen eine hoffentlich nachvollziehbare Geschichte beizusteuern. Die einschlägigen Quellen, die Argumentationen für barhuf gehende Pferde finden sich in der Linklsammlung meiner Website. Besonders hinweisen möchte ich allerdings auf Tina Gottwalds Website Pro-Barhuf.de - dort werden viele Argumente sehr sachlich diskutiert, die ich hier nicht alle wiederholen kann und will.

Wie alles begann ...

Menschen nutzen Pferde seit ca. 3.000 Jahren auch als Reittiere. Der Beschlag von Pferdehufen mit Eisen taucht allerdings erst sehr spät - nämlich vor ca. 1.000 Jahren mit dem Beginn des Mittelalters in Europa auf. An der Entdeckung des Eisens und der Schmiedbarkeit dieses Metalles kann es also nicht gelegen haben, denn dies ist seit der sogenannten Eisenzeit bekannt. Nicht einmal die Römer kannten den Beschlag obwohl sie Pferde intensiv nutzten, steinerne Heerstaßen durch ihr Imperium bauten und auf diesen transportierten und wahre Weltreisen unternahmen. Keine einzige antike Darstellung von Pferden - mit oder ohne Reiter - egal ob griechischer oder römischer Herkunft gibt nur den geringsten Hinweis auf einen Beschlag der Pferde. Was ist der Grund gewesen für das Auftauchen des Beschlages mit dem Beginn des Mittelalters? Was hatte sich so gravierend verändert?

Das Mittelalter

Der Beginn des Mittelalters stellt den Beginn der sogenannten Ritterzeit - oder geschichtlich korrekt formuliert, den Beginn der feudalen Ordnung dar. Ritter waren Lehensmänner ihres jeweiligen Königs, wurden mit Ländereien belehnt und verlegten ihre Wohnsitze auf wehrhafte Burgen. Denn der Ritter bekam das Lehen nicht zum Spaß sondern musste seinem Lehensherrn Kriegsdienste leisten wenn dieser zur Fahne rief. Durch die Wahl der typischen Ritterburg als befestigtem Wohnsitz änderten sich auch schlagartig die Lebensbedingungen für die Pferde. Auf den Bergplateaus, die für den Burgenbau in Frage kamen stand nur sehr wenig Platz zur Verfügung. Die Pferde mussten mit kleinen Ställen - zumeist in Ständerhaltung - zurecht kommen und sahen ihre Weiden kaum. So standen sie dem Ritter und seinen Knechten stets zur Verügung. Die Folge war mangelnde Bewegung. Ohne Bewegung verschlechtern sich binnen kurzer Zeit die Hufe, sie deformieren sich und degenerieren. Das ist auch bei den eingefangenen Mustangs in den USA zu beobachten und wurde schon oft beschrieben. Gleichzeitig wurden von den Pferden als Reittiere für die Ritter gewaltige Leistungen abverlangt. Mussten sie doch nicht nur den R(e)it(t)er tragen und dessen Waffen sowie seine schwere Rüstung sondern sie bekamen oft selbst auch noch eine Rüstung verpasst. Dies dürfte ein weiterer Faktor gewesen sein, der sich negativ auf die Hufe auswirkte...

Man musste also etwas tun, um die Pferde "benutzbar" zu halten. Irgendwann wurde in dieser Zeit der eiserne Beschlag als permanenter Hufschutz erfunden. Dabei war den Menschen dieser Zeit sehr wohl bewusst, dass sie dem Tier nichts Gutes taten sondern um den Preis seiner Gesundheit die Benutzbarkeit für den Menschen herstellten. Alte Lehrbücher für Hufschmiede bringen dies stets klar zum Ausdruck.

Bäuerliche Nutzung und Transport

Nach dieser ritterlichen Initialzündung setzte sich der Beschlag immer mehr durch. Zunächst im Transportwesen. Man muss sich vor Augen halten, dass die Pferde der überwiegende "Antrieb" waren, gleichzeitig entwickelten sich die Städte und das Handwerk. Befestigte, gepflasterte Straßen wurden einerseits mehr zum üblichen Bild und andererseits verlangte man den Tieren wesentlich mehr an Leistung ab, als ein Pferd in natürlicher Umgebung normalerweise erbingt (15-30km Laufleistung pro Tag ohne Trag- oder Zuglast!).

Anders sah die Situation bei der bäuerlichen Nutzung aus. Auch dort wurden die Tiere beschlagen und überwiegend in Ständern gehalten. Typisch waren hier je nach Saison 12 - 14h tägliche Arbeit. Die danach folgende Ruhephase im Ständer wirkte sich daher nicht so katastrophal aus, da die Tiere diese Ruhe bitter nötig hatten. Zudem wurden den Pferden meist im Winter die Eisen abgenommen weil man Kosten sparen wollte und im Winter kein so hoher Bedarf in der Landwirtschaft bestand. Dies führte zu einer - ggf. unabsichtlichen - Regenerierungsphase für die Hufe.

Soweit ganz kurz und grob die Ausgangssituation. Diese bestand im wesentlichen unverändert bis zum Ende des II. Weltkrieges. Die Ritter wurden zwar im Laufe der Geschichte durch die Kavallerie abgelöst aber das änderte nichts Grundsätzliches an der Situation. Mit dem Kriegsende allerdings sank der Bedarf an Arbeitspferden in den zwei Haupteinsatzbereichen auf Grund der technischen Entwicklung schlagartig ab. Zum einen benötigte das Militär keine Kavallerie mehr und zum anderen lösten Traktoren in Land- und Forstwirtschaft die Pferde ab. Das Transportwesen verzichtetete bereits seit dem I. Weltkrieg immer mehr auf Pferde - von den Wiener Fiakern vielleicht einmal abgesehen. Mit dieser Entwicklung, die sich - gemessen an den fast tausend Jahren Beschlagstradition - rasend schnell vollzog sank genauso schnell der Bedarf an Menschen mit Pferdewissen und Pferdevertand. Namentlich an Stallmeistern und Hufschmieden. Diese Berufe starben fast aus.

Nutzung als Sportpferd

Erst in den 70er Jahren erlebte das Pferd einen erneuten Aufschwung durch die Verwendung als Sportpferd und später auch als Freizeitpferd. Pötzlich wuchs der Bedarf an Hufschmieden u.ä. Berufen. Die Folge waren schnelle Ausbildungsgänge um den Bedarf zu decken. Zugangsvoraussetzung zu einer Hufschmiedeausbildung in Deutschland ist auch heute noch ein Metallberuf und nicht etwa fundiertes Pferdewissen...

Dabei darf man den Hufschmieden ganz sicher keinen Vorwurf machen. Sie lernen in ihrer Ausbildung eben nur eine Sicht der Dinge und setzen dies dann in ihrem Beruf um. Bei Tierärzten verhält es sich nur unwesentlich anders. Sie lernen im Studium viel über Anatomie und Physiologie - wirklich praktisch anwendbares Wissen kommt wenig vor.

Wie so oft im Leben der Menschen wurde auch in Bezug auf Pferde im Allgemeinen und die Behandlung der Hufe im Besonderen das bisher übliche kritiklos weiter verfolgt. Es war ja schon immer so. Wobei "immer" eben recht kurzsichtig ist und sich auf den Erfahrungshorizont des einzelnen Menschen bezieht.

Wirkliche Bewegung und Weiterentwicklung - also zunächst das Hinterfragen des normalerweise Praktizierten - sehen wir erst seit weniger als 20 Jahren. Sicherlich hat die breite Nutzung des Pferdes als Freizeitkamerad einerseits und die Forschungen weniger, unkonventionell denkender Menschen andererseits dazu beigetragen dass sich ein Prozess des Umdenkens unumkehrbar manifestiert. Ohne ihren Methoden folgen zu müssen kann man mit Fug und Recht die Lebensleistung einer Frau Dr. Strasser anerkennen. Sie war es, die den Barhuf-Gedanken weltweit etabliert hat und Menschen wie z.B. Jaime Jackson oder Pete Ramey zu viel weiter gehenden Gedanken und Erkenntnissen auf den Weg brachte.

Forschungen an Wildpferden

Die Forschungen von Jackson und Ramey konzentrierten sich auf die Hufe der Wildpferde in Nordamerika, den Mustangs. Diese Hufe sind absolut gesund und zu Höchstleistungen fähig. Dabei leben diese Tiere auf ganz unterschiedlichen Böden - von weich bis extrem hart - und kein Mensch macht denen die Hufe, schneidet sie aus oder beschlägt. Wie kann das sein?

Es ist ganz einfach - Hufe sind äußerst dynamische und anpassungsfähige, hoch komplexe Strukturen.

Die Forschungen an den heute frei lebenden Wildpferden sind aus einem Grunde ganz besonders wertvoll für jeden Pferdebsitzer: Sind doch alle Wildpferde mit unseren domestizierten Pferden genetisch weitgehend identisch da sie ausnahmslos ausgewilderte Haus- bzw. Nutzpferde sind. Egal ob es sich dabei um die Mustungs in Nordamerika, die Carmague-Pferde in Südfrankreich, die Namibs in Afrika oder die Brumbees in Australien handelt.

Ich gehe davon aus, dass es bei den Lesern keinen Dissenz darüber geben dürfte, dass barhuf der natürliche und somit normale Zustand eines Pferdehufes ist. Die ursprünglichen Gründe für den Beschlag sind längst Geschichte. Was sich hingegen hatnäckig gehalten hat sind die überkommenen, alten Ansichten darüber. Diese beruhen jedoch leider auf fehlendem Wissen der meisten Pferdefreunde und -besitzer. Fakt ist eines:

Jedes Pferd kann barhuf gehen!

Ob es hingegen jederzeit und auf allen Böden barhuf gearbeitet werden kann ist eine ganz andere Frage, die von vielen Faktoren abhängt. Nur wenn die Haltungs-, Ernährungs- und Bewegungsbedingungen stimmen kann ein gesundes Pferd wirklich jederzeit barhuf auf allen Böden gearbeitet werden. Das erreicht man in der Regel nur dann, wenn der/die Besitzer/in gezielt darauf hinwirkt. Kann das aus irgendwelchen Gründen nicht gewährleistet werden ist Hufschutz oft erfoderlich. Doch Hufschutz bedeutet keinesfalls zwingend Beschlag! Denn mit dem Beschlag verbinden sich leider eine ganze Reihe gravierender Nachteile für das Tier. Das Hauptproblem besteht in der Einschränlung der für ein gesundes Pferd notwendigen Huf-Funktionen. Diese sind:

Huf-Funktionen

  1. Blutpumpe
  2. Stoßdämpfung
  3. Tastsinn
  4. Schutzfunktion - quasi als natürlicher Schuh
  5. Verteidigungsfunktion
Die Blutpumpe

Gemessen an seiner Körpergröße besitzt das Pferd ein relativ kleines Herz. Die Funktion des Herzens wird durch die Hufe wesentlich in seiner Pumpfunktion bei der Zirkulation von Blut und Lymphflüssigkeit unterstützt. Der Hufmechanismus sorgt beim Auf- und Abfussen des Hufes jedes mal dafür, dass eine bestimmte Menge Blut durch den Huf in den Körper gepumpt wird. Dies geschieht durch die Weitung der Hufkapsel beim Auffussen. Die Kapillargefäße weiten sich und saugen so Blut in den Huf. Beim Abfussen zieht sich die Hornkapsel wieder zu ihrer ursprünglichen Größe zusammen. Die Gefäße werden enger und durch den so entstanden Druck wird das Blut wieder in den Körper zurück gepresst. Der Hufmechanismus besteht nicht wie oft erklärt wird aus der seitlichen bzw. diagonalen Verwindung der Hornkapsel! Ein mit einem starren Hufschutz beschlagener Huf wird in dieser Funktion wesentlich eingeschränkt. Der Organismus wird deutlich mehr belastet und damit geschädigt.

Temporärer Hufschutz - z.B. in Form von Hufschuhen - bringt diese Einschränkung zwar ebenfalls mit sich, jedoch eben nur temporär - z.B. während des Reitens. In der überwiegenden Zeit funktioniert der Huf normal und kommt seinen normalen Funktionen nach.

Stoßdämpfung

Der Huf ist das erste Glied in der Kette der Stoßdämpfungsmechanismen des Pferdes. Die Aussage, dass etwa der Strahl keinen Bodenkontakt haben darf weil das Schmerzen für das Pferd bedeutet ist einfach Unsinn. Die Natur schafft keine Strukturen, die nicht benötigt werden. Der Strahl ist das weicheste Element am Huf - aus genau diesem Grund. Alle Tierärzte als auch Hufpfleger und Hufschmiede sind sich einig darüber, dass eine Zehenfußung (die vordere Spitze des Tragrandes vom Huf berührt zuerst den Boden) pathologisch ist und behandelt gehört. Ergo muss das Gegenteil die richtige Fußung sein - das ist die Trachtenfußung. Bei der Trachtenfußung (Huf setzt hinten zuerst auf) berührt der natürliche Strahl (also der nicht künstlich gekürzte!) zuerst den Boden. Das Strahlhorn ist das weicheste Horn am Hof - es ist elastisch und nimmt als erstes die Energie auf. Danach folgt der Hufmechanismus, durch die Weitung der Hornkapsel werden weitere Kräfte abgebaut. Die Elastizität der Knochen, Knorpel und Bänder folgen. Der Rest wird durch die frei schwingende Aufhängung des Pferdekörpers am Stützsystem aufgefangen. Perfekte Stoßdämpfung gibt es nur wenn alle Kompenten korrekt mitspielen. Bei beschlagenen Hufen werden ca. 60% der Stoßdämpungswirkung des Hufes abgeschaltet.

Tastsinn

Mit dem Huf erfühlt das Pferd die Beschaffenheit des Bodens. Wie "fühlt" sich der Boden an? Ist er gerade? Ist er geneigt? Enthält er unebene Punkte usw. usf. Danach richtet sich ein barhuf gehendes Pferd beim Setzen der Beine. All dies geht beim beschlagenen Pferd weitestgehend verloren - beim Huf mit temporären Hufschutz allerdings ebenfalls zu einem gewissen Teil - das soll nicht verschwiegen werden. Deshalb darf man temporäten Hufschutz nicht nur im Sinne der Tragezeit am Tage (=stundenweise) interpretieren sondern man muss wissen, dass diese Form des Hufschutzes nur so lange Bestand haben darf, wie das ursächliche Problem (z.B. eine Fühligkeit oder eine Hufkrankheit) tatsächlich Bestand hat.

Schutzfunktion
- quasi als natürlicher Schuh

Hier gibt es weder durch temporären noch durch permanenten Hufschutz eine Beeinträchigung. Der Schutz ist bei jeder Form des Hufschutzes gewährleistet.

Verteidigungsfunktion

Dies ist ein besonders kritischer Punkt. Pferde mit Beschlag - gar mir Stollen - können sich nicht etwa besser verteidigen. Nein, sie werden zur Gefahr für die anderen Tiere einer Herde. Das austretende Pferd "weiß" ja nichts von der verheerenden Wirkung seiner Eisen. Verletzungen, gelegentlich der Tod andere Pferde, sind der Fall. Dies tritt bei barhuf gehenden Pferden so gut wie nie auf.

Kann denn nun wirklich jedes Pferd barhuf gehen? Ja, es kann - ganz eindeutig und zweifellos. Das kann es schon deshalb weil die schädlichen Wirkungen des Beschlages unübersehbar sind:

  • weitgehende Abschaltung des Hufmechanismus
  • Verringerung der Durchblutung des Hufes
  • Schädigung der Kapillargefäße als direkte Folge der verringerten Durchblutung
  • Zerstörung der Hornstrukturen durch das Aufbrennen beim Beschlag
  • Zerstörung der Strukturen der weißen Linie an den Nagelpunkten
  • Gefahr des sogenannten "Vernagelns"
  • Erhöhung der Fliehkräfte in der Vorführphase des Hufes
  • extreme Stauchung beim Auffußen des Hufes durch harte Reflexion am Boden, ganz besonders bei harten Böden
  • Einleitung von Schwingungen, hervorgerufen durch die Eigenresonanz des Eisens in Knochen und Gewebe
  • usw. usf.

Es ist gänzlich unmöglich, kranke Hufe durch Beschlag zu heilen. Es ist allerdings sehr wohl möglich, diese für eine begrenzte Zeit wieder benutzbar zu machen. Dies ist jedoch sehr kurzfristig gedacht. Hält man sich vor Augen, dass Pferde in der Natur locker 35 - 40 Jahre alt werden (bei voller Leistungsfähigkeit) so wird deutlich, dass bei einem statistischem Pferdealter von weniger als 8 Jahren in Deutschland die schädlichen Wirkungen des Beschlages kaum zu Tage treten.

Umstellung von Beschlag auf Barhuf

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies oft dann der Fall ist, wenn alle herkömmlichen Vorgehensweisen keinen Erfolg mehr zeigen. Dann erst geht man zu den "Barhuf-Verfechtern". Dabei ist es oft so, dass die Umstellung von einem beschlagenen Pferd auf barhuf nicht einfach so geht. Die meisten Pferde kommen zwar damit auf Anhieb gut zurecht. Allerdings nicht alle. Dies hängt ab vom Zustand der Hufe, vor allem von der Dicke und damit der Tragfähigkeit der Sohle.

Es hängt ab von Haltung, Ernährung und den Arbeitsanforderungen des Tieres. Es kann gut so sein, dass ein Pferd, dem man die Eisen abnimmt zunächst fühlig geht. Das kann u.U. auch erst nach Tagen beginnen. Es hängt davon ab, wie die Reaktivierung der vitalen Prozesse des Hufes abläuft. Von daher kann der Einsatz von Hufschuhen in dieser Phase durchaus angezeigt sein. Es kann sein, dass ein Pferd diese Hilfe mehrere Monate nach der Umstellung braucht.

Wenn ein vorher beschlagenes Pferd eine zu dünne Sohle hat (das ist in den meisten Fällen durch das Ausschneiden der Hufe der Fall) dann sollte man dem Pferd alles geben was es zur Ausbildung einer natürlichen, tragfähigen Sohle benötigt. An erster Stelle sind das die benötigten Nährstoffe und ganz wichtig ist Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Der Huf braucht das Laufen und die dadurch entstehenden Reize vom Boden um die nötigen Strukturen zu bilden. Nährstoffe heißt aber nicht, irgendwelches Super-Teuer-Futter sondern so wie im Teil Haltung & Ernährung schon angesprochen genügen die beiden Grundanforderungen. Diese sind:

  1. 24h am Tag Raufutterangebot (wirklich gutes Heu) und
  2. dazu eine Quantität Hafer. Wie hoch diese sein sollte, hängt vom konkreten Bedarf des jeweiligen Pferdes ab
    - also von seinem Gewicht, seiner Beanspruchung usw. Hafer macht Pferde weder spinnig noch fett. Nebenwirkung zeigt er dann und nur dann wenn es Probleme im Mineralienhaushalt (Gleichgewicht Phosphor - Calzium) gibt. Hafer ist das einzige Getreide, was das Pferd nahezu vollständig im Dünndarm aufschließen kann - mithin das bestverträglichste Kraftfutter.

Fachbeitrag



Artikel: Beschlag vs. Barhufpferd
© Abdruck mit freundlicher Genehmigung von:
Jörg Weber - www.barhuf-thueringen.de

Zitate



"ein beschlagener Fuß bekommt auf Asphalt im Schritt 3 mal so starke Stöße ab, wie ein unbeschlagener auf Asphalt im Trab."

Zitat: Dissertation von Luca Bein über die Stoßdämpfung am Huf, Universität Zürich, 1983





"Wer auch immer es gewesen sein mag, der die Hufbeschlagspraxis eingeführt hat - er konnte nicht ahnen, daß er damit die Grundlage für mehr Tierleid legte, als ein Mensch je verursachen könnte, denn es sind in den 12 oder 13 Jahrhunderten seiner Anwendung nicht nur unzählige Mengen von Pferdefüßen verletzt und geschädigt, sondern auch noch die Pferde für ihre - dadurch bedingen - Gehprobleme bestraft worden." Bracy Clark in "A Essay on the Knowledge of the ancients respecting the art of shoeing the horse" ... 1831





"Zum Beispiel wurde 1997 zufällig das Grab eines anglosächsischen Prinzen und seines unbeschlagenen Reitpferdes in England (Suffolk) gefunden. Die Zäumung und diverser Schmuck mit reichen Verzierungen waren als seltene Fundstücke dabei. Hätte das Pferde metallenen Hufschutz besessen, wäre dieser ebenso erhalten geblieben und gefunden worden. Man kann also feststellen, daß dieser Fürst aus dem 7. Jahrhundert auf einem unbeschlagenen Pferd geritten ist. (Suffolk County Council Achaelogical Service, 1997)"

Zitat: Strasser, H. Was spricht eigentlich gegen Hufbeschlag?, Tübingen 2000





"Beim Aufbringen eines Hufbeschlages hört die natürlich Abnutzung des Horns an der Bodenfläche fast ganz auf so das die Hornkapsel allmählich ihre Form verändert, gewöhnlich länger wird und der Huf im gesamten infolge des beständigen Wachstums des Horns , in ein unnatürliches Verhältnis zum Boden gerät.

Hierdurch entstehen Nachteile für die Stellung der Gliedmaße, der Zehe und die Form der Hufkapsel die sich auch auf die weiter oben liegenden Teile der Gliedmaßen auswirken."

Zitat: Lehrbuch des Hufbeschlages von Hermann Ruthe; Gustav Fischer Verlag 1988






Von den 122 Millionen Pferden weltweit sind höchstens 10% klinisch gesund. Ca. 10% (12,2 Mio.) sind klinisch unnutzbar lahm. Die restlichen 80% (97,6 Mio.) dieser Pferde sind etwas lahm ... und haben den Gesundheitstest nicht bestanden.

Zitat: American Farriers Journal, November 2000, Vol. 26 #6, Seite 5





"Der Hufbeschlag ist eigentlich nur das Mittel, den möglichst größten Nutzen aus den Pferden zu ziehen....

Ob der Hufbeschlag das Mittel ist, die Hufe gesund zu erhalten, das ist eine Frage, die man füglich verneinen kann; denn die Erfahrung hat gelehrt, daß, je länger die Thiere beschlagen werden, ein umso nachtheiliger Einfluß auf die Hufe ausgeübt wird."

Zitat: Lehr- und Handbuch der Hufbeschlagskunst von 1861


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© 2010 by Harmony Ranch Aktualisierungsstand: 28. 04. 2010 08:45 Uhr


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